Fragen und Antworten
Was ist CO₂?
Kohlendioxid (CO₂) ist ein natürlich vorkommendes Gas und Bestandteil der Erdatmosphäre und entsteht bei vielen natürlichen und menschengemachten Prozessen: unter anderem bei der Zersetzung und Verrottung von organischem Material, Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdgas, Öl und Kohle, aber auch bei industriellen Prozessen, beispielsweise in der Zement-, Kalk-, Chemie- oder Stahlindustrie.
Ist CO₂ giftig?
CO₂ ist kein Gift im eigentlichen Sinn, kann aber in hohen Konzentrationen (also beispielsweise bei Leckagen oder Bruch an den Leitungen) gefährlich und (insbesondere in geschlossenen Räumen) tödlich sein:
- Erstickung: In hohen Konzentrationen verdrängt CO₂ den Sauerstoff.
- Direkte Wirkung auf den Körper: Schon bei normalem Sauerstoffgehalt stört zu viel CO₂ im Blut die Atemregulation und die Gehirnfunktion (Hyperkapnie)
- Hinzu kommt, dass CO₂ wie CO farb- und geruchlos und schwerer als Luft ist.
Warum kann man CO₂ nicht einfach vermeiden?
Grundsätzlich werden drei Bausteine für das Erreichen der Klimaziele beschrieben: die Vermeidung von CO₂-Emissionen, der Ausbau erneuerbarer Energien und grüner Gase sowie ein klimaneutraler Umgang mit CO₂ beziehungsweise Kohlenstoff.
Die Vermeidung von CO₂-Emissionen hat dabei Vorrang. Es gibt allerdings industrielle Prozesse, bei denen CO₂ auch aufgrund des Produktionsprozesses entsteht und deshalb nur schwer oder derzeit nicht vollständig vermieden werden kann. Der Delta Rhine Corridor soll insbesondere solche nicht oder schwer vermeidbaren Prozessemissionen aufnehmen. Als mögliche Nutzer werden unter anderem die Kalk-, Metall- und Chemieindustrie sowie Anlagen zur Abfallverbrennung genannt.
Was ist der Delta Rhine Corridor?
Der Delta Rhine Corridor (DRC) ist ein geplantes grenzüberschreitendes CO₂-Leitungsnetz. Nach den Planungen von OGE soll das Netz rund 700 Kilometer lang werden.
Ab spätestens 2033 soll darin abgeschiedenes CO₂ von Produktionsstandorten unter anderem aus dem Raum Ludwigshafen und über Köln-Wesseling in Richtung Rotterdam transportiert werden. Von dort soll das CO₂ über eine Offshore-Infrastruktur zur Speicherung unter dem Meeresboden der Nordsee weitertransportiert werden.
Wem soll die CO₂-Leitung nutzen?
Von der Infrastruktur profitieren vor allem energieintensive Industriebetriebe mit schwer vermeidbaren CO₂-Emissionen. Dazu gehören unter anderem Unternehmen der Chemie-, Zement-, Kalk-, Stahl-, Abfall- und Energiewirtschaft. Sie sollen künftig die Möglichkeit erhalten, abgeschiedenes CO₂ in ein überregionales Leitungsnetz einzuspeisen. Die Infrastruktur soll diesen Unternehmen ermöglichen, abgeschiedenes CO₂ aus ihren Produktionsprozessen abzutransportieren, anstatt es in die Atmosphäre abzugeben.
Warum wird CO₂ per Pipeline transportiert?
Nach den Plänen der Bundesregierung und der Europäischen Union soll unvermeidbares CO₂ künftig nicht mehr in die Atmosphäre gelangen. Stattdessen wird es direkt an Industrieanlagen abgeschieden (Carbon Capture), über Pipelines transportiert und anschließend dauerhaft unter der Nordsee gespeichert oder teilweise industriell weiterverwendet.
Pipelines gelten dabei als wirtschaftlichste und sicherste Möglichkeit, große Mengen CO₂ über weite Strecken zu transportieren. Ein Transport per Lkw oder Bahn wäre für die benötigten Mengen kaum praktikabel.
Was genau ist geplant?
Die Open Grid Europe GmbH (OGE) plant den Aufbau einer grenzüberschreitenden CO₂-Transportinfrastruktur. Kern des Vorhabens ist eine unterirdische Rohrleitung, über die künftig unvermeidbare CO₂-Emissionen aus Industrieprozessen sicher abtransportiert und dauerhaft gespeichert werden können.
Die rund 200 Kilometer lange Leitung soll CO₂ im Raum Köln/Wesseling und im Raum Gelsenkirchen, über Duisburg bis zur niederländischen Grenze im Bereich Nettetal und Brüggen führen. Derzeit wird insbesondere auch ein Verlauf der Trasse durch das Kreisgebiet Mettmann und durch das Stadtgebiet Hilden geprüft. Die konkrete Trassenführung wird erst in einem späteren, separaten Zulassungsverfahren (etwa einer Planfeststellung) festgelegt.
Warum soll die Leitung durch Hilden führen?
Die geplante Trasse ist Teil eines überregionalen Leitungsnetzes. Die Trassenplanung orientiert sich dabei an bestehenden Infrastrukturkorridoren, beispielsweise entlang von Autobahnen oder bereits vorhandenen Leitungstrassen.
Im Rheinland liegen zahlreiche potenzielle Einspeisepunkte, unter anderem in der Chemie-, Metall-, Kalk- und Abfallindustrie. Der DRC soll diese Punkte miteinander und mit dem niederländischen Transportnetz verbinden.
Ist bereits entschieden, dass die Pipeline durch Hilden führt?
Jein.
Zurzeit läuft eine Raumverträglichkeitsprüfung. Dabei werden verschiedene Korridorvarianten miteinander verglichen. Die untersuchten Korridore sind jeweils rund 600 Meter breit. Innerhalb dieser Korridore wird geprüft, welche Auswirkungen eine spätere Leitung auf Raumordnung, Umwelt und andere raumbedeutsame Planungen hätte. Die zwei von der Bezirksregierung vorgeschlagenen Varianten laufen jedoch beide durch das Stadtgebiet Hilden.
Auch wenn der endgültige Verlauf der Trasse noch nicht entschieden ist bedeutet die Vorfestlegung auf diese Varianten, dass die Leitung letztlich durch Hilden führen soll.
Wie viel Platz wird beim Bau der Pipeline benötigt?
Für den Bau wird ein deutlich breiterer Arbeitsstreifen benötigt als die spätere Pipeline selbst. Nach den der Stadt vorliegenden Planungen ist ein Arbeitsstreifen von etwa 38 Metern, in einigen Fällen auch etwa 32 Metern, vorgesehen.
Dieser Bereich wird während der Bauphase benötigt, um beispielsweise Erdarbeiten, Rohrlagerung, Baumaschinen und die Verlegung der Leitung zu ermöglichen.
Was passiert nach der Raumverträglichkeitsprüfung?
Im anschließenden Planfeststellungsverfahren wird der konkrete Leitungsverlauf detailliert geplant. Bei dieser Planung kann es auch noch zu Abweichungen zum zuvor untersuchten 600-Meter-Korridor kommen.
Zum Planfeststellungsverfahren gehören unter anderem Umweltprüfungen, ein landschaftspflegerischer Begleitplan, Bauanträge, wasserrechtliche Unterlagen und ein Bodenschutzkonzept.
Wie sieht der Zeitplan für den Delta Rhine Corridor aus?
Die Inbetriebnahme der Pipeline ist für 2033 geplant. Der genaue Zeitpunkt hängt jedoch vom weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie von der Umsetzung des Projekts ab.

Wie sicher ist der Betrieb der Pipeline?
Aus Sicht der Stadt Hilden sind wesentliche Sicherheitsfragen beim geplanten Transport von CO₂ bislang nicht abschließend beantwortet.
Ein besonderer Punkt ist der geplante Transport unterschiedlicher CO₂-Ströme aus verschiedenen industriellen Quellen in einer gemeinsamen Pipeline. Mögliche Auswirkungen unterschiedlicher Zusammensetzungen der CO₂-Ströme auf die Leitung und insbesondere zu den Risiken von Leckagen oder Pipeline-Rissen sind noch nicht erprobt.
Welche Auswirkungen könnte die Pipeline auf Natur und Umwelt in Hilden haben?
Im Stadtgebiet befinden sich ökologisch und wasserwirtschaftlich sensible Bereiche. Dazu gehören FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat), Naturschutzgebiete, Wasserschutzgebiete und Überschwemmungsgebiete. Hierzu gehört auch der Hildener Stadtwald. Eine Pipeline wird zwar unterirdisch verlegt, für den Bau muss jedoch ein erheblicher Arbeitsstreifen hergestellt werden. Damit verbunden sind Rodungen, Eingriffe in Böden und Grünstrukturen sowie Beeinträchtigungen von Lebensräumen.
Nach Fertigstellung verbleibt immer noch ein Sicherheitsstreifen von 10 Metern, der nicht bebaut oder mit tiefwurzelnden Bäumen aufgeforstet / wieder bepflanzt werden darf.
Hinzu kommt ein Problem, das in Hilden besonders schwer wiegt: Ausgleichsflächen sind knapp. Die Stadt sieht deshalb nur begrenzte Möglichkeiten, größere Eingriffe in Natur und Landschaft durch ortsnahe Ausgleichsmaßnahmen zu kompensieren.
Welche Auswirkungen könnte die Pipeline auf die Stadtentwicklung haben?
Hilden ist bereits heute von zahlreichen Leitungs- und Verkehrsinfrastrukturen durchzogen. Jede zusätzliche Leitung kann Flächen langfristig für andere Nutzungen einschränken.
Neue Leitungstrassen können je nach Trassenverlauf beispielsweise Auswirkungen auf die Nutzung von Grundstücken, Grünflächen und Freiräumen haben und damit auch zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt einschränken. Aus Sicht Hildens stellt sich daher die grundsätzliche Frage, wie viel zusätzliche Infrastruktur ein ohnehin dicht besiedeltes und stark belastetes Stadtgebiet noch aufnehmen kann.
Wie groß ist der Abstand zu Wohnbereichen?
Hilden ist im Vergleich zu vielen anderen möglichen Trassenräumen besonders dicht besiedelt.
Eine mögliche CO₂-Trasse würde in Hilden zwangsläufig in einem räumlich stark durch Siedlungen und andere Nutzungen geprägten Umfeld verlaufen.
Aus Sicht der Stadt darf deshalb nicht allein die Frage entscheidend sein, ob eine Leitung technisch unterirdisch verlegt werden kann. Es muss vielmehr geprüft werden, ob ein solcher Trassenverlauf unter den besonderen räumlichen Bedingungen Hildens überhaupt verantwortbar ist.
Hilden fordert daher ausdrücklich, dass eine CO₂-Trasse einen ausreichenden Abstand zu Siedlungsbereichen einhält.
Welche Rolle spielt der geplante Ausbau der A3?
Die CO₂-Pipeline würde zusätzliche Flächen beanspruchen und muss gleichzeitig mit einem großen Infrastrukturprojekt koordiniert werden. Für Hilden stellt sich deshalb die konkrete Frage, wie Pipelinebau und A3-Ausbau räumlich und zeitlich miteinander vereinbart werden sollen.
Dabei geht es nicht nur um die spätere Lage der Leitungen. Während der Bauphase werden Arbeits- und Bewegungsflächen benötigt. Straßen, Wege, Grünflächen und bereits vorhandene Leitungen müssen geschützt beziehungsweise berücksichtigt werden.
Der geplante Ausbau der A3 verschärft aus Sicht der Stadt die ohnehin schwierige Situation.
Warum fordert Hilden die Prüfung einer linksrheinischen Alternative?
Eine linksrheinische Trassenführung durch weniger besiedeltes Gebiet ist derzeit nicht in die Raumverträglichkeitsprüfung einbezogen. Aus Sicht der Stadt ist damit eine wesentliche Alternative von vornherein aus dem Vergleich genommen.
Gerade weil eine Trassenführung durch Hilden mit erheblichen Konflikten verbunden sein kann, darunter Siedlungsnähe, Natur- und Landschaftsschutz, bestehende Leitungsinfrastruktur, Flächenknappheit und der geplante Ausbau der A3, hält die Stadt eine umfassende Alternativenprüfung für erforderlich.
Die Stadt fordert daher, einen linksrheinischen Verlauf in die Raumverträglichkeitsprüfung einzubeziehen und nicht bereits im Vorfeld auszuschließen.
Was fordert die Stadt Hilden konkret?
Die Stadt Hilden hat zu dem Vorhaben mehrere konkrete Forderungen formuliert. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die zusätzliche Infrastruktur in einem bereits stark belasteten und dicht besiedelten Stadtgebiet überhaupt erforderlich und vertretbar ist.
Hilden fordert insbesondere:
- eine umfassende Prüfung von Trassenalternativen, ausdrücklich auch eines linksrheinischen Verlaufs;
- einen ausreichenden Abstand zu Allgemeinen Siedlungsbereichen und damit zu Wohngebieten;
- den Erhalt des vorhandenen Baumbestands, insbesondere wegen der Nähe möglicher Trassen zu Wohngebieten;
- eine ortsnahe Kompensation unvermeidbarer Eingriffe in Natur und Landschaft;
- die Entwicklung und Festlegung verbindlicher Sicherheitsstandards für den Transport gemischter CO₂-Ströme, bevor die Pipeline in Betrieb geht;
- den Schutz von Straßen, Wegen, Leitungen, Kanälen und Grünflächen;
- eine frühzeitige und verbindliche Abstimmung der Bauarbeiten mit der Stadt Hilden;
- eine nachvollziehbare Berücksichtigung der bereits vorhandenen Vorbelastung des Stadtgebiets sowie der weiteren geplanten Infrastruktur, insbesondere des A3-Ausbaus.
Aufgrund der bestehenden Bedenken lehnt die Stadt Hilden die CO₂-Pipeline im Stadtgebiet ab.
Wie kann ich mich einbringen?
Mit dem Start der förmlichen Öffentlichkeitsbeteiligung am 25. September liegen die Verfahrensunterlagen bis einschließlich 26. Oktober 2026 online über das Beteiligungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen aus. In diesem Zeitraum können Bürger*innen zu dem Vorhaben Stellung nehmen.

