Workshop an Marie-Colinet-Sekundarschule

Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Erinnerungskultur und den Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden. Das Theaterstück, das auf einer Graphic Novel basiert, erzählt aus der Perspektive jüdischer Kinder vor und während der Zeit des Nationalsozialismus – ein Zugang, der für die Schüler:innen besonders greifbar war. Beeindruckend schilderte der künstlerische Leiter des Jungen Schauspielhauses, Stefan Fischer-Fels, von der Aufführung des Stückes am Handlungsort des Geschehens in der ukrainischen Stadt Czernowitz, von der er einen Tag zuvor zurückkehrt war. 

Ein bewegender Höhepunkt des Workshops war die Begegnung mit dem Zeitzeugen Herbert Rubinstein, dessen persönliche Erinnerungen Teil des künstlerischen Materials sind. In einer offenen Gesprächsrunde berichtete er von seinen Erfahrungen und stellte sich den Fragen der Jugendlichen. Viele nutzten die Gelegenheit, um mehr über sein Leben vor, während und nach der Verfolgung zu erfahren.  Die direkte Begegnung machte Geschichte für die Schüler:innen unmittelbar und persönlich erfahrbar. 

Ebenfalls anwesend war der Anti-Rassismus-Beauftragte der Stadt Düsseldorf, Wolfgang Rolshoven, der die Bedeutung von Erinnerungsarbeit für die Gegenwart betonte. Er schlug den Bogen von historischen Ereignissen zu heutigen Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung. Es wurden Fragen erörtert, wie es sein kann, dass selbst Juden, die nicht in Israel leben, hier angefeindet werden. Ebenfalls erläutert wurde die problematische Vermischung von Politik und Religion. 

Unterstützt wurde der Workshop zudem von Mitarbeiterinnen von SABRA, der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, die Impulse für den Umgang mit Antisemitismus im Alltag und in sozialen Medien gaben.

Die Jugendlichen zeigten sich durchweg interessiert und engagiert. In Kleingruppen und Diskussionsrunden entwickelten sich intensive Gespräche über Verantwortung, Zivilcourage und die Bedeutung des Erinnerns. Viele äußerten, dass sie nun mit einem anderen Bewusstsein und konkreteren Fragen auf die Gedenkstättenfahrt blicken.

Die Lehrkräfte der Marie-Colinet-Sekundarschule zogen ein positives Fazit: Der Workshop habe nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Empathie gefördert und Denkanstöße gegeben. Damit sei eine wichtige Grundlage geschaffen worden, um die Eindrücke der kommenden Gedenkstättenfahrt einordnen und reflektieren zu können.