Auftakt zur Gedenkstättenfahrt

Im Mittelpunkt stand eine Führung durch das Gotteshaus, die Herbert Rubinstein, selbst Überlebender des Holocaust, übernahm. Er erklärte den Jugendlichen nicht nur die wichtigsten Elemente der Synagoge, sondern gab auch Einblicke in jüdische Traditionen, Feste und Symbole – und in die Folgen der nationalsozialistischen Verfolgung. Die Begegnung verlieh dem Thema eine persönliche Dimension, die über Unterrichtsmaterialien hinausgeht.

Auffällig war die große Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 8 bis 10. Viele nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen: Wie gestaltet sich jüdisches Leben heute in Deutschland? Welche Rolle spielen Religion und Gemeinschaft? Und wie lässt sich Erinnerung so bewahren, dass sie nicht zur bloßen Pflichtübung wird? Die Offenheit des Gesprächs zeigte, dass die Jugendlichen nicht nur zuhören wollten, sondern verstehen.

Lehrkräfte der Schule betonten, dass die Fahrt nach Krakau und Auschwitz mehr sei als ein historischer Programmpunkt. Sie solle die Schülerinnen und Schüler befähigen, Mechanismen von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit zu erkennen – und daraus Konsequenzen für das eigene Handeln abzuleiten. Der Besuch der Synagoge sei dafür ein wichtiger Schritt gewesen.

Gerade das Kennenlernen einer Religion, die vielen Jugendlichen bislang fremd war, erwies sich als Brücke: Begegnung nimmt Ängste und schafft Verbindungen, hieß es im Anschluss. Wer Einblicke in Traditionen, Alltag und Glauben gewinnt, begegnet Menschen weniger mit Vorurteilen und mehr mit Neugier.

In den kommenden Monaten will die Marie-Colinet-Sekundarschule die Vorbereitung weiter vertiefen – mit Projekten zur Geschichte des Nationalsozialismus, zu jüdischem Leben in Deutschland und zu Fragen von Verantwortung in der Gegenwart. Das Motto des Auftakts wird die Schülerinnen und Schüler dabei begleiten: „Erinnerung ist Verantwortung für morgen.“